Wie senkt Simvastatin (Zocor®) den Cholesterinspiegel? Auf was sollte man bei der Einnahme achten? Und wann sollte man besser auf das Medikament verzichten? Mehr zu diesen Themen lesen Sie in folgendem Beitrag.
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Wirkung
Wie wirkt Simvastatin (Zocor) gegen erhöhte Cholesterinwerte?
Simvastatin (Zocor®) gehört zur Wirkstoffgruppe der Statine. Diese Medikamente senken den Cholesterinspiegel, in dem sie die Cholesterinproduktion im Körper hemmen. Man nennt Simvastatin und die anderen Statine auch Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer (CSE-Hemmer).
Enzym-Blockade in der Leber
Der Anti-Cholesterin-Effekt von Simvastatin beruht auf einer Hemmung des Enzyms HMG-CoA-Reduktase. Diesen Namen muss man sich nicht merken, wichtig ist nur, dass dieses Enzym für die Synthese des Cholesterins in der Leber essentiell ist. Mit diesem Schlüsselenzym wird also auch die Cholesterinbildung blockiert. Zudem wird indirekt vor allem das "schlechte" Cholesterin, das LDL-Cholesterin gesenkt. Und das geht so:
Die Leberzellen reagieren auf die oben beschriebene Enzym-Blockade mit der Vermehrung von Oberflächenrezeptoren für das Low Density Lipoprotein (LDL). Die LDL-Partikel, gerne als „böses (oder schlechtes) Cholesterin“ tituliert, werden somit vermehrt in die Leberzellen aufgenommen. Ihre Blutkonzentration nimmt folglich ab, die des „guten“ HDL-Cholesterins (High Density Lipoprotein) dagegen zu. Seinen schlechten Ruf hat das LDL, weil es vor allem dem Transport des wasserunlöslichen Cholesterins im Blut dient.
Auch eine weitere Blutfett-Fraktion, nämlich die der Triglyceride, wird mithilfe der Statine abgesenkt, durch Simvastatin (neben Atorvastatin) am stärksten.
Änderung der Blutfettwerte nach Wochen der regelmäßigen Einnahme
Die Reduktion der Blutfette erfolgt übrigens nicht proportional zum Dosisanstieg. Doppelt viel hilft also nicht doppelt viel. Die maximal erreichbare Absenkung beträgt etwa 25-60%. Und „Wirken“ bedeutet hier nicht „Spüren“, sondern einen Messerfolg bei der Blutuntersuchung. Die Änderung der Cholesterinwerte im Blut braucht allerdings ihre Zeit – im Normalfall mehrere Wochen.
Und was bringt das Ganze? Darüber wird heftig gestritten. In Studien konnte bei Risikopatienten ein vermindertes Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen durch die Statin-Therapie ermittelt werden – allerdings keine Abnahme der Gesamtsterblichkeit. Außerdem ist es leider so, dass die Statine auch oft verschrieben werden, ohne dass die Cholesterinwerte tatsächlich bedrohlich sind oder ohne dass andere Möglichkeiten der Blutfettsenkung ausreichend probiert worden wären.
Erst Sport und gesunde Ernährung, dann Tabletten
Vor dem Griff zur Tablette sollten Sie versucht haben, Ihre erhöhten Cholesterin- und Triglyceridwerte durch gesunde Ernährung, Sport und Gewichtsverlust zu begegnen. Das ist zwar am Anfang etwas anstrengender, aber auch lohnender mit Blick auf Ihren gesamten Gesundheitszustand.
Simvastatin wurde 1990 als Zocor® auf den deutschen Markt gebracht und dürfte heute, nach Ablauf der diversen Statin-Patente, den Löwenanteil aller Statin-Verordnungen ausmachen. Es steht in vielen Generika-Präparaten („Simva“-xy, z.B. SimvaHexal®) zur Verfügung und wird teilweise mit anderen Wirkstoffen kombiniert, z.B. mit dem Cholesterol-Resorptionshemmer Ezitimib (Inegy®).
Einnahme-Tipps
Weshalb soll man bei der Einnahme von Simvastatin (Zocor) auf Grapefruit verzichten?
Das Mittel ist im Allgemeinen sehr gut verträglich und hilft – insbesondere in Kombination mit einer cholesterinbewussten Ernährung – mögliche Folgen von zu hohen Blutfettwerten wie Arteriosklerose, Herzinfarkt etc. zu minimieren.
Auf eines sollten Sie bei Einnahme von Simvastatin in Punkto Lebensmittel allerdings achten: Verzichten Sie während der Behandlung bitte auf den Genuss von Grapefruit oder Grapefruitsaft. Zumindest in größeren Mengen. Diese ansonsten sehr gesunde Frucht verzögert den natürlichen Simvastatin-Abbau im Körper, wodurch es zu Muskelbeschwerden kommen kann.
Das gilt übrigens nicht nur für Simvastatin, sondern für alle Wirkstoffe dieser Substanzklasse (Statine: Pravastatin, Atorvastatin etc.).
Warum muss man Simvastatin (z.B. SimvaHexal, Zocor) unbedingt abends einnehmen?
Gut zu wissen: Medikamente gegen zu hohes Cholesterin wie Simvastation und Co (z.B. Zocor®) sollte man am besten abends einnehmen. Diese Medikamente aus der Gruppe der Statine greifen nämlich in die Produktion des körpereigenen Cholesterins ein – und die findet primär nachts statt. Während des Schlafens können die sogenannten Lipidsenker den Organismus also besonders effektiv unterstützen.
Darf ich zusätzlich zu Simvastatin weitere Cholesterinsenker einnehmen?
Sie haben gegen Ihre erhöhten Cholesterinwerte Simvastatin verschrieben bekommen? Beispielsweise das Präparat Zocor®, Simvadura®, Simvastatin AL® oder ein anderes Simvastatin-Präparat? Zusammen mit einer bewussten Ernährung und gesunden Lebensweise haben Sie damit beste Chancen, Ihre Blutfette zu senken und Ihre Gefäße zu entlasten.
Falls Sie davor andere Cholesterinsenker genommen haben oder noch im Apothekenschrank liegen haben, lassen Sie bitte die Finger davon. Gerade Cholesterin senkende Arzneimittel aus der Gruppe der Fibrate mit dem Wirkstoff Fenofibrat bzw. aus der Wirkgruppe der Niacine dürfen in dem Fall keinesfalls zusätzlich (weiter) genommen werden. Wie in so manchen Fällen heißt es hier: Zu viel des Guten hilft nicht viel, sondern schadet sogar eher.
Gegenanzeigen
Wann darf man Simvastatin (Zocor) nicht einnehmen?
Den Cholesterinsenker Simvastatin sollten Sie nicht einnehmen, wenn Sie gegen den Wirkstoff überempfindlich sind oder an einer Erkrankung der Leber oder der Muskulatur leiden. Im Blutbild macht sich ein Leberschaden durch die Erhöhung bestimmter Leberenzyme (Transaminasen) und ein Muskelschaden durch erhöhte Werte der Creatin-Kinase (CK) bemerkbar.
Anlass zu besonderer Vorsicht bei der Simvastatin-Einnahme besteht u.a. bei:
- Alter über 70 Jahre
- Schilddrüsenunterfunktion
- eingeschränkte Nierenfunktion
- chronischer Alkoholmissbrauch
- erbliche Muskelerkrankung (Der Grund: das erhöhte Risiko für eine Muskelfaserzerstörung. Das gilt natürlich auch, wenn Sie bereits früher mit Blutfettsenkern behandelt wurden und dabei Muskelbeschwerden erlitten haben.
Eine gründliche Abwägung von Nutzen und Risiken der Tabletteneinnahme ist in all diesen Fällen (und eigentlich immer) angesagt.
Quellen:
- Fachinformation: Simvastatin-ratiopharm 10 mg/20 mg/40 mg/80 mg ® Filmtabletten. Herausgeber: Ratiopharm GmbH. www.ratiopharm.de.
Vor 4 Wochen hatte er noch eine Hüft-OP, rechts.
Ich habe festgestellt, dass mein Sohn – nach der Einnahme von Simvastatin 20 mg abends – ca. 1,5 Std. danach müde und auch nicht mehr ansprechbar ist. Außerdem hat er das Gefühl, seine Beine seien wie Pudding. Kann es sein, dass Simvastatin die Ursache dafür ist? Als Mutter mache ich mir große Sorgen. Leider akzeptiert er meine Befürchtungen bzw. Hinweise oft nicht. MfG – Marina Hennig
die von Ihnen beschriebenen Symptome wie Müdigkeit, verminderte Ansprechbarkeit und das Gefühl von „Pudding-Beinen“ können tatsächlich Nebenwirkungen von Simvastatin sein. Statine wie Simvastatin können in seltenen Fällen Muskelschwäche und Müdigkeit verursachen und diese Symptome könnten sich bei Personen, die ohnehin gesundheitlich beeinträchtigt sind, verstärken.
Es wäre aber auch denkbar, dass eine Kombination aus der körperlichen Belastung durch den Schlaganfall, der OP und der Medikation insgesamt zu diesen Symptomen beiträgt.
Sie sollten Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten. Der Arzt oder die Ärztin kann die Gesamtsituation beurteilen und eventuell die Dosis anpassen oder ein anderes Medikament vorschlagen.
Ein Tipp: Erklären Sie Ihrem Sohn Ihre Beobachtungen und erwähnen Sie, dass der Arzt diese Symptome überprüfen kann, um ihm zu helfen, sich besser zu fühlen. Dies kann oft eine entspanntere Akzeptanz fördern.
Viele Grüße, Dr. med. Jörg Zorn