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Cryopyrin-assoziiertes periodisches Syndrom (CAPS): Ursachen, Symptome und Behandlung

Was für eine Erkrankung ist das Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom? Welche Beschwerden können auftreten und wie wird es behandelt? Diese und viele weitere Fragen rund um das Thema CAPS beantworten wir im folgenden Beitrag.

Grundlagen

Was ist das Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom?

Das Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom (CAPS) ist eine seltene, genetische Erkrankung, die sich in Form vielfältiger Entzündungsreaktionen äußert – meist schon im Kindesalter.

Generelle Entzündungsreaktion durch Genmutation

Der Oberbegriff CAPS fasst eine Gruppe von autoinflammatorischen Erkrankungen zusammen, denen ein Defekt im NLRP3-Gen zugrunde liegt. Dadurch kommt es zu einer veränderten Produktion des dort kodierten Cryoproteins. Letztlich mündet die genetische Fehlprogrammierung in eine unkontrollierte, überschießende Bildung von einem Entzündungsbotenstoff, dem Interleukin-1ß.

Gibt es unterschiedliche Krankheits-Formen bei CAPS?

Es werden bei CAPS folgende drei Formen unterschieden:

  • FCAS (Familial Cold Autoinflammatory Syndrome) als mildeste Variante
  • MWS (Muckle-Wells-Syndrom) als intermediärer Schweregrad
  • NOMID/CINCA-Syndrom (Neonatal Onset Multisystem Inflammatory Disease bzw. Chronic Infantile Neurological Cutaneous Articular Syndrome) als schwerste Verlaufsform.

Die Krankheitsbilder überlappen teilweise und variieren auch von Fall zu Fall, bedingt durch verschiedene Mutationsvarianten.

In welchem Alter tritt das Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom auf?

CAPS präsentiert sich oft bereits im Kindes- oder sogar Säuglingsalter. Auch eine Spät-Manifestation im Erwachsenenalter ist aber möglich, insbesondere bei der Sonderform des Muckle-Wells-Syndroms. Die weltweite Verbreitung ist mit geschätzten 1 bis 3 pro 1 Million Menschen sehr niedrig. Beide Geschlechter sind von dieser seltenen Erkrankung, die sich durch alle ethnischen Gruppen zieht, gleichermaßen betroffen.

Die frühzeitige Diagnose ermöglicht den Therapieerfolg

Das Problem bei CAPS: Nur wenige Spezialisten sind mit dieser seltenen Erkrankung bisher vertraut. Was bisher noch fehlt, ist ein ausreichendes Bewusstsein unter Kinderärzten, Rheumatologen, Allergologen und allen anderen Ärzten, die die Betroffenen zuerst sehen und dann bei Verdacht eine spezialisierte Einrichtung einbinden sollten. Eine frühzeitige Diagnosestellung ist bei CAPS aber wichtig, damit sofort mit der Behandlung begonnen werden kann. Dadurch kann das Risiko für schlimmere Folgen und schwere Schäden an Organen besser reduziert werden.

Symptome

Welche Beschwerden können bei CAPS auftreten?

In der frühen Phase der Erkrankung kann es oft zu unspezifischen Beschwerden kommen, weshalb es auch so schwer ist, die richtige Diagnose zu stellen. Dazu zählen:

Fieber gilt als ein Leitsymptom, das in kurzen Episoden (typisch für mildere Verlaufsformen) oder länger auftreten kann. Es kann aber auch gar nicht auftreten, die Ausprägungen der Beschwerden ist wie erwähnt individuell sehr unterschiedlich.

Welche Komplikationen sind im weiteren Verlauf der Erkrankung möglich?

Wenn schwere CAPS-Formen nicht oder falsch behandelt werden kann es in schlimmen Fällen zu Hör- und Sehverlust kommen, auch chronische aseptische Meningitis (Hirnhautentzündung), kognitive Einschränkungen, Wachstumsstörungen sowie Gelenk- und Skelettdeformationen sind möglich.

Diagnostik

Wie wird das Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom nachgewiesen?

Beim Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndrom (CAPS) erschweren vor allem zwei Dinge die frühzeitige Diagnose und erfolgreiche Behandlung: Die Unkenntnis dieser sehr seltenen Erkrankung und ihr variables Erscheinungsbild. Neben einem autosomal dominanten Erbgang werden relativ häufig auch Spontanmutationen beobachtet. 30-40% der klinisch diagnostizierten CINCA-Patienten zeigen keine Keimbahnmutationen. Andererseits gibt es auch Betroffene, die die NLRP3-Mutationen in ihrem Erbgut tragen, ohne an CAPS zu erkranken. Die molekulargenetische Analyse kann deshalb die klinische CAPS-Diagnose bestätigen, muss es aber nicht in jedem Fall.

Um das im klinischen Alltag schwierige frühzeitige Erkennen von CAPS zu erleichtern, wurde ein neues Diagnoseschema entwickelt:

Diagnoseschema von der International Society of Systemic Auto-Inflammatory Diseases (ISSAID)

Wenn neben den typischen Blutwerten folgende Beschwerden bei Betroffenen vorliegen, ist die Diagnose CAPS sehr wahrscheinlich:

  • Pflichtkriterium: erhöhte Entzündungsmarker im Blut

und mindestens zwei von sechs typischen CAPS-Symptomen:

  • urtikarieller Ausschlag
  • durch Kälte-/Stress-induzierte Episoden
  • Hörverlust
  • muskuloskekettale Beschwerden
  • chronische aseptische Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Skelettdeformitäten

Behandlung

Wie wird das Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom behandelt?

Gute Nachrichten, es gibt nicht viele Krankheiten, bei denen die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Forschung so zielgerichtet und erfolgreich im klinischen Alltag umgesetzt werden können wie beim Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndrom (CAPS). Seit die genetischen Ursachen dieser Erkrankung weitgehend geklärt sind, kann den – meist sehr jungen – Betroffenen dieser seltenen Erkrankung mit dem IL-1-Blocker Anakinra (Kineret®) ein weitgehend normales Leben ermöglicht werden.

Zusätzlich können auch Kortison-Präparate helfen

Für die Wirksamkeit anderer Biologika oder DMARDs (disease-modifying anti-rheumatic drugs) gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege. Zusätzlich können begleitend auch Kortison-Präparate und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac gegeben werden, allerdings nicht zu lange wegen der Nebenwirkungen.

Wie gut hilft die Behandlung mit Anakinra?

Die typischen, aber unspezifischen CAPS-Symptome wie Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Erbrechen und Kopfschmerzen nehmen unter der Behandlung mit Anakinra allesamt schnell und auch nachhaltig ab. Nicht nur das: Einige Beeinträchtigungen wie Hör- und Sehverluste, Kleinwuchs und neurokognitive Retardierungen können sich unter der Behandlung sogar wieder zurückbilden.

Leider aber nicht alle. Deshalb ist die möglichst frühzeitige Diagnose und Behandlung so wichtig. Anakinra kann bereits ab dem 8. Lebensmonat gegeben werden. Tatsächlich könnte sogar ein noch frühzeitigerer Einsatz des Medikaments sinnvoll sein, um Organschäden vorzubeugen, Studien hierzu laufen aber aktuell noch.

Quellen:

  • Satellitensymposium “CAPS: Diagnosis, Treatment and Complications of Autoinflammatory Diseases” der Firma Sobi beim 8. Internationalen Kongress zum Familiären Mittelmeerfieber und autoinflammatorischen Erkrankungen in Dresden, Oktober 2015.
  • Alvarez ER, Corless B, Kontzias A, Cebulla CM. Cryopyrin-associated periodic syndrome presenting with posterior scleritis. Rheumatol Oxf Engl. 01 2019;58(12):2337–9.
  • Gupta A, Tripathy SK, Phulware RH, Arava S, Bagri NK. Cryopyrin-associated periodic fever syndrome in children: A case-based review. Int J Rheum Dis. Februar 2020;23(2):262–70.

Noch ein Extra-Tipp:
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