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Galle und Gallenblase: Anatomie und Funktion

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Was ist Galle, und wofür brauchen wir sie? Welche Funktion hat die Gallenblase? Antworten auf diese Fragen finden Sie im folgenden Beitrag.

Galle

Wofür braucht der Körper Galle?

Ohne die Gallenflüssigkeit wäre das Essen kein Vergnügen mehr. Die Inhaltsstoffe der Galle sind wichtig für die Fettverdauung. Ohne sie kommt es zu Magen-Darm-Beschwerden und voluminösen Durchfällen.

Der Darm versorgt uns mit Nährstoffen

Man spricht von einer Maldigestion, wenn die Fettverdauung nicht mehr richtig funktioniert. Gemeint ist eine "schlechte Verdauung" durch unzureichende Zersetzung und Aufbereitung der Nahrung.

Der Darm hat nämlich nicht nur die Aufgabe, den Stuhl zu formen, sondern auch, die Nährstoffe aus dem Essen zurückzuhalten, die unser Körper braucht. Neben Elektrolyten wie Calcium oder Magnesium gehören dazu auch Vitamine, Spurenelemente (Zink, Eisen) und Energieträger wie Kohlenhydrate, Proteine und Fette.

Ohne Galle keine Fettverdauung

Und hier kommt nun auch die Galle ins Spiel. Sie wird hauptsächlich in der Leber gebildet, in der Gallenblase gespeichert und bei Bedarf von hier aus in den oberen Dünndarm geleitet.

Ein wichtiger Bestandteil der Gallenflüssigkeit sind die Gallensäuren. Ihre Aufgabe besteht darin, Fette und bestimmte fettlösliche Vitamine zu verpacken. Im wässrigen Dünndarmsekret lösen sich Fette nämlich nicht.

Sie können sich das so vorstellen wie eine Salatsoße: Wenn Sie Öl in Essig gießen, wird es sich darin nicht auflösen, auch wenn Sie noch so lange und kräftig rühren. Immer wieder setzt sich an der Oberfläche ein fettreicher Film ab. So ähnlich ist es auch mit den sogenannten lipophilen ("fettliebenden") Substanzen in unserem Körper.

Die zwei Gesichter der Gallensäuren

Um sie in wässriger Flüssigkeit in Lösung zu halten und damit für die Verdauung vorzubereiten, braucht es entsprechende Helfer. Die Gallensäuren sind dafür wie geschaffen, da sie äußerst raffiniert aufgebaut sind.

Sie bestehen aus zwei Anteilen. Neben einem lipophilen haben sie auch einen hydrophilen ("wasserliebenden") Abschnitt. Wenn sich nun mehrere Gallensäuren verbünden, können sie mit ihrer lipophilen Seite die Fette aus der Nahrung umschließen, während ihre hydrophile Seite nach außen in die wässrige Umgebung ragt.

Ein solches Gebilde nennt man auch Mizelle. Ohne sie können die Fette im Darm nicht aufgenommen werden und gehen über den Stuhl verloren.

Durchfall, Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen

Die Folge sind, wie schon erwähnt, fettreiche, voluminöse Stühle, außerdem ein zunehmender Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Denn es gibt bestimmte Vitamine, die ebenfalls lipophil sind und daher eine geeignete "Verpackung" brauchen, um verarbeitet zu werden. Dazu zählen zum Beispiel Vitamin A, das für unsere Augen und die Haut wichtig ist, Vitamin D für den Knochenstoffwechsel und Vitamin K, ein entscheidender Helfer bei der Blutgerinnung.

Praktische Wiederverwertung: der Weg der Gallensäuren

Sie sehen also, dass die Galle ihren schlechten Ruf und die Assoziationen, die oft mit dem Begriff verbunden werden, in keiner Weise verdient hat. Weil sie im Gegenteil so wichtig für uns ist, setzt der Körper alles daran, sie möglichst nicht zu verlieren.

Zwar wird die Gallenflüssigkeit von der Leber stetig neu gebildet; der Gesamtvorrat an Gallensäuren ist jedoch recht gering und reicht für die tägliche Fettverdauung nicht aus. Um den Schweinebraten zu verarbeiten, kann das 5fache dieser Menge nötig sein. Daher sorgt ein praktisches Recyclingsystem dafür, die Gallensäuren im Körper zu halten.

Nachdem sie in den oberen Dünndarm gelangt sind, erledigen sie dort zunächst ihre Arbeit und werden in tiefergelegenen Darmabschnitten schließlich wieder resorbiert. Das heißt, sie durchdringen die Darmwand erneut und erreichen das Blut der Pfortader, in der sie zurück zu ihrem Bildungsort, der Leber, gelangen. Dort werden sie wieder aufbereitet und stehen für das nächste Festmahl zur Verfügung.

Auf diese Weise drehen die Gallensäuren an einem Tag etwa 4 bis 12 Runden durch Leber, Gallenwege, Darm und Blut. Diesen Zyklus nennen Mediziner auch den „enterohepatischen Kreislauf“.

Gallenblase

Welche Aufgabe hat die Gallenblase?

Die Gallenblase ist ein Hohlorgan, das zur Leber gehört. Sie dient als Speicher für die Gallenflüssigkeit, die fortlaufend in der Leber gebildet und über die Gallengänge in den oberen Teil des Dünndarms abgegeben wird.

Nach dem Essen legt sie los

Die Gallenblase stellt die Gallenflüssigkeit also nicht selbst her, sondern speichert sie nur. Zu ihren Aufgaben gehört aber weit mehr als die bloße Aufbewahrung der Galle. Sie tritt vielmehr erst dann richtig in Aktion, wenn wir etwas gegessen haben und die Verdauung beginnt. Denn die Gallenflüssigkeit brauchen wir zur Verarbeitung von Fetten. Außerdem können manche körpereigenen Substanzen nur mit ihrer Hilfe ausgeschieden werden.

Die eigentliche Arbeit des birnenförmigen Hohlorgans beginnt nach einer Mahlzeit. Bereits zwei Minuten, nachdem fetthaltige Speisen im Dünndarm angekommen sind, beginnt die Gallenblase, sich zusammenzuziehen. Das Signal dazu erhält sie über Botenstoffe und Nerven. Für die Kontraktion ist sie mit einer beachtlichen Muskelschicht mit kreuz und quer verlaufenden Muskelbündeln ausgestattet. Sie sorgt zum einen dafür, dass sich das Organ verkleinert, um die Flüssigkeit herauszupressen; zum anderen helfen rhythmische Bewegungen bei der Entleerung.

Von der Gallenblase gelangt das Sekret in den Gallengang und wird in Richtung Dünndarm befördert. Auf dem Weg stößt meist noch der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse dazu, die ihren Teil zur Verdauung beiträgt.

Die Gallenblase kann noch mehr

Aber auch, wenn sie gerade Pause hat, ist die Gallenblase nicht untätig. Im Inneren ist sie mit einer geschlossenen Schleimhautschicht ausgekleidet, die stark gefaltet ist. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche, so dass die Gallenblase auch ihre zweite große Aufgabe optimal meistern kann: die Eindickung und Konzentrierung des Gallensekrets durch den Entzug von Wasser.

Dazu dienen Transporter und Kanäle in der Organwand, durch die im Austausch mit bestimmten Ionen (elektrisch geladene Teilchen) Wasser austritt. Die fleißige Gallenblase kann das Gallenvolumen dabei innerhalb von vier Stunden auf das 10fache konzentrieren. Aus der einst goldgelb gefärbten Lebergalle ist dann die grünbraune Blasengalle geworden.

Bis zur nächsten Mahlzeit sammelt sie sich im Inneren der Gallenblase wieder an. Insgesamt kann das Organ bis zu 60 ml speichern. Das reicht, um auch den fetten Schweinebraten klein zu bekommen.

Gallengang

Wie verläuft der Gallengang?

Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber und in den Gallengängen selbst gebildet. Sie durchläuft ein komplexes Gangsystem, bevor sie in den oberen Dünndarm abgegeben wird. Hier ist sie entscheidend an der Fettverdauung und der Ausscheidung wasserunlöslicher Substanzen beteiligt.

gallenblase, gallenkanäle & Leber

Täglich werden ca. 650 ml Gallenflüssigkeit produziert. Etwa 80% der Gallenproduktion übernimmt die Leber, den Rest steuern die Zellen der Gallengänge bei. Die Gallenblase selbst trägt nicht zur Produktion bei, sondern hat eine reine Speicherfunktion.

Schauen wir uns den Verlauf des Gallenflusses einmal genauer an. Das ist nicht nur spannend, sondern erklärt auch manche Beschwerden und Komplikationen im Bereich der Galle und der Bauchspeicheldrüse.

Ein architektonisches Meisterwerk

Die Leber setzt sich aus einzelnen Leberläppchen (Azini) zusammen, durch die zentral eine Vene fließt. Von dieser Vene verlaufen radiär nach außen zahlreiche Leberzellstränge, außerdem weitere kleine Gefäße und: kleine Gallenkanälchen. Sie nehmen die Gallenflüssigkeit auf, die von den benachbarten Leberzellen gebildet und abgegeben wird. Von hier aus geht es weiter zur Läppchengrenze, wo die Galle von den lebereigenen Gallengängen in Empfang genommen wird.

Lassen Sie sich an dieser Stelle nicht verwirren. Es gibt nämlich nicht den einen Gallengang, sondern gleich mehrere: die eben erwähnten Gallengänge der Leber, der Zufluss aus der Gallenblase und schließlich deren Vereinigung zum großen Gallengang, dem Ductus choledochus.

Auf dem Weg Richtung Dünndarm

Aber zurück zur Leber: Die Galle wird also aus den einzelnen Leberläppchen abgeführt und an den Ausgang des Organs, die sogenannte Leberpforte befördert, an der sämtliche Leitungsbahnen der Leber ein- und austreten. Kurz danach bekommt sie nun Zufluss aus der Gallenblase, die sich dem unteren Leberrand anschmiegt und ihren Hals dem Ausführgang der Leberpforte zuwendet. Die Gallenblase produziert die Gallenflüssigkeit zwar wie gesagt nicht selbst, speichert aber zwischen den Phasen der Verdauung bis zu 60 ml, um sie bei Bedarf auszuschütten.

Im gemeinsamen Ductus choledochus, der Leber- und Gallengang zusammenführt, macht sich die Galle auf den Weg in Richtung oberer Dünndarm. Bei den meisten Menschen nimmt sie unterwegs noch den Ausführgang der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) auf und mündet schließlich zusammen mit ihm in den Zwölffingerdarm.

Ein Gallenaufstau kann gefährlich werden

Die Vereinigung von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang kurz vor der Mündung in den Dünndarm kann verschiedene Konsequenzen haben. So kann ein Gallenstein, der bis in das gemeinsame Endstück wandert, auch den Pankreasgang verlegen. Der Rückstau des Sekrets löst im schlimmsten Fall eine gefährliche Entzündung des Organs aus.

Umgekehrt kann ein Tumor im Pankreaskopf den Ductus choledochus verlegen und einen Gallenaufstau bis in die Leber bewirken. Das führt zum klassischen Bild einer Gelbsucht (Ikterus) mit Gelbfärbung der Haut, Schleimhaut und der Augen.

Noch ein Extra-Tipp:
Mit den richtigen Mikronährstoffen können Sie viel für Ihre Gesundheit tun.
Unsere Empfehlungen dazu finden Sie hier.

Quellen:

  • Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: Prometheus LernAtlas der Anatomie, Innere Organe. 5. Auflage, Stuttgart 2018.

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